Es ist immernoch heiß in hier in Düsseldorf, wo ich seit Oktober lebe. Ich bin, wie meist in der Woche, viel zu früh aufgewacht, nämlich schon um 7 statt erst um 9:20 Uhr. So verbringe ich den Morgen dann meist damit, alles einfach viel langsamer und entspannter zu machen als sonst, aber viel mehr mache ich, trotz der gewonnen Zeit, nicht. Und auch trotz dieser Zeit gehe ich wie so oft zu spät los, aber ich werde trotzdem pünktlich sein. Als ich an der Bahnhaltestelle ankomme, kommt die nächste Bahn erst in 4 Minuten und in 4 Minuten bin zu Fuß auch schon lange am Hauptbahnhof. Ich laufe als, höre Musik und als ich am Hauptbahnhof ankomme, kommt auch gerade meine Bahn, ich steige ein und fahre zur Uni. Auf dem Weg lese ich “Vincent” von Joey Goebel. Ich steige schon an der Haltestelle Christophstraße aus und laufe von dort aus gemütlich Richtung Uni, die Strecke gefällt mir besser als die von der Uni Haltestelle. In der Vorlesung setze ich mich nach vorne in eine der ersten paar Reihen. Dort sitzen außer mir auch nur vereinzelte Leute, die sonst keinen kennen. Ich saß bis zu diesem Semester immer irgendwo in der Mitte, bis mir auffiel, dass alle, die sonst auch niemanden kennen, die ersten Reihen belegen. Und wenn wir alle allein in den ersten Reihen gemeinsam sitzen, kommen wir uns wohl auch alle etwas weniger verloren vor. Bis zu diesem Semester kannte ich eigentlich Leute, wie das so ist, sucht man sich am Anfang seine “Clique” zusammen. Nur schlecht, wenn wirklich alle nach dem ersten Semester abspringen und man als einziges überbleibt. Andere Gestalten dieser Reihen sind das Mädchen mit dem komischen Kiefer und den dicken Augenbrauen, der Rollstuhlfahrer, der neben seiner körperlichen Behinderung auch geistig irgendwas haben muss oder wirklich einfach nur der merkwürdigste Mensch der Welt ist und ein Emo Mädchen, das unaussprechlich viele Narben über den ganzen Arm verteilt hat. Ich hab schon viele Leute mit schlimmen SVV Narben gesehen, aber in einem solchen Ausmaß hab ich das noch nie gesehen, einfach hunderte kleine Schnitte übereinander geschichtet. Ich hab mal vor der Vorlesung mit ihr gesprochen, ihr gesagt, dass ich ihre pinken Haare mag und die Halsketten, die sie trug.
Die Mittagspause nach der Vorlesung verbringe ich mit lesen, ich esse ungern in der Caféteria, das es mir einfach zu voll ist. Also sitze ich barfuß in der Sonne auf der Wiese und lese, spüre das Gras unter meinen Füßen. Nach einer halben Stunde gehe ich rein, weil meine recht weiße Haus recht rot wird. Ich werde nicht wirklich braun, nur rot. Also sitze ich später drinnen in der ruhigen Ecke, wo ich jede Woche in der Mittagspause lesend sitze. Später werde ich angerufen und man erzählt mir von dem neuen HD Fernseher, den ich Freitag in Essen bewundern werde. In dem nächsten Seminar sitzt das Mädchen mit dem Kiefer und den Augenbrauen wieder vorne mit mir in der Reihe und starrt mich, wie schon in der Vorlesung davor, an. Später sitzt sie neben mir, weil sie ihren Readerteil vergessen hat. Ich fahre nach dem Seminar nach Hause. Beim Hauptbahnhof steige ich aus und fahre mit der U-Bahn in die Altstadt, laufe dort ein bisschen umher, hole mein Essensgeld vom Konto und wie ich da an dem Automaten stehe, treffe ich plötzlich einen Jungen, den ich aus dem Internet kenne und starre ihn blöd an, gehe weiter und sage nichts, schließlich hab ich noch nie mit ihm geredet, auch nicht im Internet. Außerdem ist es ein wenig beängstigend, solche Leute plötzlich im wahren Leben zu sehen.
Ich schaue bei Gamestop vorbei und bleibe einige Zeit dort, rede mit meinen zukünftigen Kollegen und spiele Guitar Hero mit ihnen. Später gehe ich, kaufe noch was ein, als es anfängt zu regnen. Obwohl ich einen Regenschirm dabei habe, laufe ich lieber ohne ihn durch den Sommerregen. Ich laufe ganz aus der Stadt zu Fuß nach Hause. Beim Supermarkt helfe ich einem kleinen Mädchen noch beim Einkaufen, bevor ich nach Hause gehe.